Sanierung teurer, Arbeitsbeginn ungewiss

Der Einwohnerverein setzt sich für den Erhalt der «Lebensader» ins Willerzell ein – bevor es zu spät ist

Die 1115 Meter lange Brücke ins Willerzell ist für die Bevölkerung des Einsiedler Viertels der Lebensnerv. Sie kämpfen für den Erhalt des sanierungsbedürftigen Viaduktes.

 

pp. Im November 2009 fand die Gründungsversammlung des Einwohnervereins Willerzell statt, mit dem Zweck «die Interessen der Willerzeller Bevölkerung zu vertreten, Informationen einzuholen und weiterzugeben», wie in den Statuten festgehalten wird. Sechs Jahre später zählt der Verein rund 240 Mitglieder, was etwa einem Vertreter aus jedem zweiten Haushalt entspricht. Weiteres Wachstum im 964 Seelen-Dorf (Stand 2012) ist vorhersehbar mit den 80 geplanten Wohnungen der Überbauung «im seeguet». Willerzell ist auf sein Viadukt angewiesen, wie Einwohnerverein-Präsident Thomas Kubon und Kassier Walo Schönbächler betonen. Praktisch die gesamte Infrastruktur liegt auf der anderen Seite des Sees, so sei es für die Einwohner des Sonnenviertels wichtig, mit der Brücke schnell auf die andere Seite zu kommen.

Lebensdauer 50 Jahre verlängern

Warum aber kommt dieses Thema jetzt aufs Tapet? Die SBB als Inhaberin des Etzelwerkes ist auch für das Willerzeller Viadukt verantwortlich. Vor einigen Jahren wurde beschlossen, dass die Brücke in Stand gesetzt werden soll. Dabei soll die komplette Unterkonstruktion saniert werden. Betreffend der Renovation gab es verschiedene Varianten, die unterschiedlich viel kosten und so auch verschiedene Lebensdauern für das Viadukt bedeuten. Der Bezirksrat sprach sich Mitte 2013 klar für die mittlere «Variante 2» aus, die Kosten von 4,5 Millionen Franken vorsah, was eine weitere Lebensdauer von 50 Jahren bedeuten würde. Die Willerzeller erklären, dass sie drei Jahre lange hörten: «Im nächsten Frühling wird saniert.» Als jeweils der Frühling da war, wurde der Termin wieder um ein Jahr verschoben. Landschreiber Peter Eberle sagt: «Wir erhielten über längere Zeit Signale, dass die SBB die Sanierung bald angeht, doch dann hörten wir nichts mehr.» Eine Antwort erfolgte dann insofern, als die SBB eine zweite Studie vorlegte, welche mehr als doppelt so hohe Kosten für die «Variante 2» auswies, näm-lich 10,5 Millionen Franken. Dadurch schien sich die Konstellation für die SBB massgeblich zu verändern. Begründet werden die Mehrkosten durch die genauere Mengenermittlung, eine längere Vorhaltedauer der Baustelleninstallation und der Gerüste und viel höhere Kosten für den Gerüstbau. Die erste Studie, die mit deutlich niedrigeren Kosten rechnete, wies einen tieferen Genauigkeitsgrad auf als die zweite. Durch die Erneuerung des Unterbaus sollte die Lebensdauer des Viadukts um 50 Jahre verlängert werden können, wobei in der Zwischenzeit eine mit wiederum beträchtlichen Kosten verbundene Erneuerung der Fahrbahn notwendig wäre. Wer eine Sanierung bezahlen soll, ist im heutigen Zeitpunkt – es laufen die Verhandlungen über die Neukonzessionierung des Etzelwerks – offen.

Bezirksrat steht hinter Viadukt

Peter Eberle betont, dass die SBB mit der bald zur Abstimmung kommenden Verlängerung der Konzession bis 2022 dafür verantwortlich ist, das Viadukt in betriebsbereitem Zustand zu halten. Wie es in der neuen Konzession aussieht ist offen, doch Eberle betont, dass der Bezirksrat hinter dem Willerzellerviadukt steht. Der Einwohnerverein Willerzell befürchtet, dass die Brücke nicht saniert wird und sie eines Tages für den motorisierten Verkehr gesperrt sein wird. Hier beschwichtigt der Landschreiber: «Das ist Bericht im EA vom 17.11.2015

höchst unwahrscheinlich, bis Ende 2022 muss die SBB die Brücke zur Verfügung stellen.» Wie dringend der Sanierungsbedarf der Brücke sei, könne er nicht sagen, dies sei eine technische Frage. «Die Verantwortung liegt beim Kanton und der SBB. Ich denke, es besteht keine Gefahr.» Es gibt aber ein weiteres potenzielles Problem: Der Kanton Schwyz überarbeitet aktuell den Richtplan. Im Entwurf zur Vorprüfung ist das Willerzeller Viadukt als «Abtretung Kantonsstrasse» markiert. Dafür soll der Strassenabschnitt zwischen Ruostel und Willerzell ins Kantonsstrassennetz aufgenommen werden. Falls das Viadukt degradiert wird und zur Bezirksstrasse wird, lägen die Kosten neu beim Bezirk. Für die Änderung von einer Kantons- in eine Bezirksstrasse bräuchte es eine Abstimmung im Kantonsrat.

Zeitachse negativ beeinflusst

Mit der Sanierung des SteinbachViaduktes und des Ausbaus der Kantonsstrasse zwischen Gross und Steinbach verschiebt sich das Gewicht zu Ungunsten des Willerzeller Viaduktes, finden die Vertreter des Einwohnervereines. So wird das Kostenverhältnis der Brücke direkt mit dem geplanten neuen Kantonsstrassenabschnittes Ruostel-Willerzell verglichen. Die Kosten des Ausbaus dieser rund 4,5 Kilometer langen Strasse würden zwar sehr viel mehr kosten, als der Ausbau des Viadukts für 10,5 Millionen, wäre jedoch nachhaltiger. Präsident Thomas Kubon präzisiert: «Die Zeitachse hat sich für uns zu Ungunsten verlagert. Je höher die Investitionskosten für das Viadukt, desto weniger wird mit der Sanierung begonnen.» Sie versuchen bereits jetzt, auf die Problematik aufmerksam zu machen, «bevor es zu spät ist». Falls die Brücke wegfallen würde, hätte dies vor allem für Willerzell ökologische und auch ökonomische Konsequenzen. Dies verdeutlichen die Fahrzeiten, gerechnet ab Bahnhof. Um den hinteren Teil des Sees via Steinbach ins Willerzell beträgt die Distanz 10,6 Kilometer, die Fahrzeit 16 Minuten. Über das Viadukt sind es 4,3 Kilometer und 7 Minuten. Über die Staumauer sind es 8,5 Kilometer in ebenfalls 16 Minuten. Wenn man die Distanz vom Rabennest aus berechnet, würden die Willerzeller via geplanter Kantonsstrasse fast eine drei Viertel-Umrundung des Sees vollziehen. Entschieden ist aber noch nicht, was mit dem Viadukt passieren wird. Neben den Verhandlungen über die Neukonzessionierung wird für das Willerzellerviadukt von massgebender Bedeutung sein, wie sich der Kanton entscheidet, nämlich ob das Viadukt im Hauptstrassennetz verbleibt oder nicht.

Source: Bericht im EA vom 17.11.2015

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